Kinder ohne kindheit uganda- 27.08.2008 (1/3)

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Uganda - Der Krieg der Knirpse Noch 100 Kilometer bis Gulu. Bananen- und Eukalyptus-Wälder säumen die Straße, über Sonnenblumenfeldern ragen gewaltige Mangobäume. Oasen des Schattens in flirrender Äquator-Hitze. So könnte ein Tropenparadies aussehen, wäre da nicht auch anderes am Wege: immer wieder rostige Bus- und Militärfahrzeugwracks, verödete Felder, verlassene halbzerstörte Dörfer. Es ist Krieg im Land des Acholi-Volkes, ein besonderer Krieg, haarsträubender, grausamer noch als die vielen anderen Kriege Afrikas. Seine Hauptakteure sind Kinder. Von Rebellenführer Joseph Kony sprechen die Acholi nur im Flüsterton. Magische Kräfte soll er haben, der heilige Geist unterweise ihn und sein Heer im Kampf gegen die Regierung in Kampala. Es ist ein Heer, dessen jüngste Soldaten sieben Jahre alt sind. Seit zehn Jahren herrscht Bürgerkrieg im Norden Ugandas, seit dieser Zeit werden Acholi-Kinder in die Busch-Lager der Rebellen verschleppt. Man schätzt ihre Zahl auf inzwischen 11000. Kinder, meint Rebellenführer Kony, sind die besten Soldaten. Sie sind leichter zu beeinflussen, besser zu motivieren als Erwachsene. Nach gründlicher "Ausbildung" im Busch werden sie zu furchtlosen, fürchterlichen Kämpfern. Das Rezept ist zynisch, unmenschlich, aber wirkungsvoll. "Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich getötet habe", sagt der zwölfjährige Tata. "An einen kann ich mich noch genau erinnern. Ich erschoss ihn, und zog ihm dann die Jacke aus." Tata sagt das mit leiser Stimme, ohne eine Regung im Gesicht. Seine Geschichte gleicht der von Tausenden Altersgenossen. Im Morgengrauen kamen die Rebellen in sein Dorf, zündeten die Hütten an, töteten die Erwachsenen und nahmen die Kinder mit. Tata war damals sechs Jahre alt. Schon auf dem Drei-Tage-Marsch zu den Rebellenlagern im Südsudan begann die "Ausbildung". Wer nicht mehr laufen konnte, wurde von den Entführern erschossen. Versuchte einer zu fliehen, wurde er besonders hart bestraft. Die Kinder selbst mussten den Verurteilten erschlagen. Im Lager dann gab es täglich Prügel. Auf Ungehorsam stand die Todesstrafe. Tata sah viele Kinder sterben, bevor er in den Kampf geschickt wurde und selber tötete. Da war er längst gewöhnt, zu gehorchen, um zu überleben. Er habe nie Angst gehabt im Gefecht, sagt er immer noch stolz. Keine Angst vor den viel größeren Erwachsenen? Nein, sagt er lächelnd, ich hatte doch ein Gewehr. Für LRA-Kinder, die im Gefecht gefangen genommen wurden oder, was seltener geschieht, den Rebellen entfliehen konnten, wurden in Gulu mit ausländischem Geld zwei Auffanglager eingerichtet. Traumatisiert kommen die Kinder aus dem Busch, sagen uns Helfer und Erzieher im Lager der internationalen Organisation World Vision in Gulu. Sie ins normale Leben zurückzuführen, sei schwer, ihnen ihre verlorene Kindheit zurückzugeben aber ganz und gar unmöglich. Bei Tanz und Gebet versuchen die Kinder im Lager zu vergessen, was sie nicht vergessen können. ...
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